Running is my therapy

Montag, 17:12 Uhr. Nach einem langen Tag schließe ich endlich die Tür zu unserer Wohnung auf. Obwohl ich eigentlich nur in der Uni gesessen habe, bin ich ganz schön kaputt. Am liebsten würde ich mich jetzt einfach nur in mein Bett kuscheln und schlafen …
Doch irgendwie fühle ich mich total unausgeglichen, rastlos und aufgewühlt.
Wenn man den ganzen Tag nur sitzt, schreibt und zuhört, ist das natürlich auch nicht wirklich verwunderlich.

Nachdem ich zehn Minuten auf meinem Bett gesessen und Löcher in die Wand gestarrt habe, raffe ich mich schließlich auf. So kann das nicht weitergehen.
Zehn Kilometer zügiger Dauerlauf stehen heute auf meinem Plan und warten darauf, absolviert zu werden. Auch wenn der innere Schweinehund heute mal wieder unüberwindbar scheint, schlüpfe ich in meine Sportklamotten und greife nach meiner Laufuhr. Während ich meine Haare zu einem Zopf binde, atme ich noch einmal tief durch. 

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„Du schaffst das. Danach wirst du dich so viel besser fühlen!“

Als ich vor die Tür trete, schlägt mir sofort der Lärm der Stadt entgegen.
Motorengeräusche, hupende Autos und lautes Stimmengewirr schwellen zu einer Geräuschkulisse an, die kurz davor ist, mir jegliche Motivation zu nehmen.
Ich liebe es, in der Stadt zu wohnen, doch heute wird mir das irgendwie alles etwas zu viel.
Daher wähle ich schnell den Lieblingssong meiner Laufplaylist und schalte die Außenwelt mithilfe meiner Kopfhörer erst einmal ab.

Der Lauf kann beginnen, ich bin bereit.
Steig doch einfach mit ein, wenn du Lust hast! Gemeinsam ist man ja sowieso 100 Mal motivierter. 🙂 


 

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Kilometer 1:
Zunächst drängt es mich weg vom Stadtlärm, hinein in die Stille. Wie von selber laufen meine Beine los und führen mich Richtung Kurpark. Die schnellen Rhythmen der Musik geben mir Motivation und lassen mich das unruhige Drumherum vergessen. Freude durchströmt mich, denn ich habe mich aus meinem kuschligen Bett hinein ins Getümmel getraut.

Kilometer 2:
Okay, mal wieder bin ich etwas übermütig gewesen und natürlich viel zu schnell los gelaufen. Der Klassiker. Ein Blick auf die Laufuhr an meinem Handgelenk sagt mir, dass ich mich bei einem gleichmäßigeren Tempo einpendeln sollte, was bei den vielen Ampeln am Anfang meiner Laufrunde oft etwas schwierig ist.
Daher wird es Zeit, dass ich im Kurpark ankomme, wo mir solche Hindernisse nicht mehr im Weg stehen.

Kilometer 3:
Meine Gedanken, die vorher noch wild und ungeordnet in meinem Kopf herum geflogen sind, kommen langsam zur Ruhe. Sobald ich das Tor zum Kurpark durchquert habe, gibt es nur noch mich, die Musik und meine gleichmäßigen Schritte auf dem Asphalt.

Kilometer 4:
Ab diesem Punkt werde ich oft sehr einfallsreich. Ideen für neue Blogposts, kleine Textbausteine oder auch Problemlösungsansätze ergeben sich häufig wie von alleine.
Dadurch, dass mein Kopf einfach mal komplett abschalten kann, fallen mir plötzlich unendlich viele Dinge ein. Habe ich also mal ein kreative Durststrecke, ist das beste Hilfsmittel dagegen meistens ein langer Lauf in der Natur.

Kilometer 5:
Die Hälfte ist geschafft. Dieses Gefühl spornt mich oftmals unglaublich an, vor allem, wenn sich mein Tiefpunkt nähert…

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Kilometer 6:
Mein Tiefpunkt. Ab hier fällt jeder Schritt schwer, die Motivation schwindet und der böse innere Schweinehund meldet sich wieder:
„Hör doch einfach auf zu laufen, wozu tust du dir das eigentlich an? Du kannst doch auch mal ein bisschen gehen… nur 2 Minütchen!“
Diesen toten Punkt gilt es zu überwinden.
„Alles nur Kopfsache!“, würde mein Freund jetzt sagen. Das mag jetzt zwar etwas abgedroschen klingen, ist aber die absolute Wahrheit. Schaffst du es, diesen toten Punkt zu überwinden, stehen dir und deinem (Lauf-)Erfolg nichts mehr im Wege!

Kilometer 7:
Die Grauzone. Fast geschafft, aber doch noch drei Kilometer vor der Brust. Jetzt wähle ich oftmals in meiner Laufplaylist einen Titel mit besonders schnellem Beat aus, um mich zusätzlich zu pushen. Oftmals merke ich in diesem Moment auch, wie meine Gesichtsfarbe sich auf der Farbskala in Richtung „Tomate“ bewegt. Ab und zu ist es auch schon vorgekommen, dass sich besorgte Passanten nach meinem Wohlbefinden erkundigt haben (Vielen Dank an dieser Stelle – die Farbe ist absolut normal! 😉 ).
Das Ziel rückt in greifbare Nähe und mithilfe der treibenden Musik geht es jetzt auch wieder besser voran.

Kilometer 8:
Meine Beine werden schneller und Adrenalin fließt durch meine Adern.
„Es sind nur noch zwei Kilometer, du hast es fast geschafft!“
Eine unerklärliche Kraft durchströmt meinen Körper und lässt mich noch einmal das Tempo etwas erhöhen. Ich zähle die Sekunden.

Kilometer 9:
Der letzte Kilometer. Zielgerade.
Nun heißt es noch einmal Zähne zusammenbeißen und jegliche zur Verfügung stehende Kräfte mobilisieren.
Alles, worüber ich mir im Vorfeld das Hirn zermartert habe, ist wie weggeblasen. Kilometer werden jetzt zu Metern, die immer schneller an mir vorüberziehen.
Ich bin voll fokussiert und gebe noch ein letztes Mal alles.

Kilometer 10:
Geschafft. Mit hochrotem Gesicht und schwerem Atem erreiche ich das Ziel.
Doch so gut wie in diesem Moment habe ich mich den ganzen Tag über noch nicht gefühlt. Mein Kopf ist wieder frei, ich bin ausgepowert und fühle mich so viel besser als zuvor. Auch wenn es zwischendurch immer mal wieder hart war, bin ich unglaublich froh, mich zu dieser Trainingseinheit aufgerafft zu haben.
Um schneller zu werden. Für das Gefühl danach. Für mich.


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Outfit – Nike

Die Fotos stammen aus der Linse meiner talentierten Freundin Lily.
Vielen Dank nochmal! ❤

Verfasst von

Herzlich willkommen! Schön, dass du da bist. Hier findest du eine Kombination aller meiner Leidenschaften: Reisen, Schreiben, Mode und Sport. Viel Spaß beim Lesen!

12 Kommentare zu „Running is my therapy

  1. Ich muss ja gestehen, immer wenn ich versuche mit dem Joggen anzufangen, ist nach spätestens 3-4 Versuchen auch wieder Schluss. Das ist einfach nichts für mich. Aber ich bewundere Leute sehr, die das regelmäßig durchziehen!

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  2. Liebe Amelie, ein toller Beitrag. Ich bin selbst sehr sportbegeistert und liebe es zu laufen. Es gibt aus meiner Sicht noch deutlich effektivere Sportarten aber laufen ist eben auch etwas für die Seele und deshalb tue ich es auch so gern. Ein wunderbarer Bericht und was Du beschreibst während des Laufens kann ich total nachvollziehen.
    Liebste Grüße
    Anja von https://pinkshape.de

    Gefällt 1 Person

  3. Toll geschrieben, ich würd so gerne auch laufen gehen, aber ich hab da absolut keine Ausdauer für 🙂 Deine Gedankengänge finde ich aber toll und werde ich mit nach dem Umzug in der neuen Stadt eine Route suchen zum laufen 🙂

    LG Danie
    von moreaboutdanie.at

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Danie,
      das sind doch mal super Vorsätze! 🙂
      Es muss ja auch gar kein schneller Lauf sein, kleine Runden reichen meist schon, um den Kopf wieder frei zu bekommen! 🙂

      Alles Liebe,
      deine Amelie

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  4. Wow das ist mal ein wirklich toller Post! Ich habe wirklich mitgelitten und konnte deine Gedanken immer recht gut nachvollziehen. Die ersten Kilometer mühe ich mich jedoch immer ziemlich ab. Erst ab 3 gehts mir einigermaßen 😃
    Weiter so! Und ich sollte auch mal wieder laufen 🙈🙈

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  5. Liebe Amelie,
    Da fühle ich voll und ganz mit dir! Ich bin zwar nie gerannt, aber habe früher intensiv Kraftsport gemacht, drei bis vier mal die Woche. Als Ausgleich zu meinem Büro Job habe ich das einfach gebraucht, Meine eingesessenen Muskeln zu bewegen. Auch ein Tag an der Uni auf den unbequemen Stühlen stelle ich mir sehr anstrengend vor. Und sitzen ist ja bekanntlich das neue Rauchen

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    1. „Sitzen ist das neue Rauchen“ – das werde ich mir merken! 😉
      Kraftsport finde ich auch super um sich richtig auszupowern. Es gibt ja wirklich super viele Möglichkeiten, in Bewegung zu bleiben.
      Liebste Grüße an dich,
      deine Amelie

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